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Trauer und die (Vor-)Weihnachtszeit: Stürmische See oder sicherer Hafen?

In der besinnlichen Adventszeit, geprägt von Kerzenschein und Vorfreude, sowie während der Weihnachtstage selbst kann der Schmerz des Verlusts besonders intensiv spürbar werden. Doch wie findet man Trost, wenn die Stille der Jahreszeit die Trauer nur verstärkt? – Ein Auszug aus Christine Kempkes Buch „Mit der Trauer leben lernen“, der hilfreiche Impulse als Lichtblicke in dunklen Zeiten bereithält – zur Unterstützung Ihrer Klient:innen.

Mit der Trauer leben lernen

„Es gibt Zeiten, die sind für Trauernde besonders emotional, und dazu gehören ganz sicher die Wochen vor Weihnachten und die Feiertage selbst. Nicht nur, dass da nun ein geliebter Mensch fehlt, die Adventszeit ist für viele Menschen auch geprägt von Ritualen, oft in der Familie über Generationen tradiert, die liebevoll Jahr für Jahr gepflegt werden. Sie gehören einfach dazu und gefühlt ist nur dann „richtig Weihnachten“, wenn diese Rituale auch tatsachlich umgesetzt werden.

Vielleicht kennen auch Sie solche Weihnachtsrituale (etwa das gemeinsame Schmücken des Baumes, der Gang über einen bestimmten Weihnachtsmarkt, der Besuch in der Christmette). Ohne den geliebten Menschen, mit dem Sie dies gemeinsam genossen haben, fühlen sich manche Rituale nun aber gegebenenfalls fremd an oder sogar schmerzhaft.

[In der Advents- und Weihnachtszeit] gilt es auf ein Neues, die Realität des Todes vollumfänglich zu begreifen und sich ganz dem Schmerz hinzugeben. Viele Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Weihnachtsfeste kommen hoch. Identität und Sinn wollen gerade jetzt neu entdeckt werden. Und diese Zeit lädt Sie auch ein, Familie und gute Freunde um Unterstützung zu bitten.

Als Trauernde:r dürfen Sie all Ihre Gewohnheiten infrage stellen und für sich genau prüfen, welches Ritual jetzt noch zu Ihnen und Ihrer neuen Lebenssituation passt und welches Sie streichen bzw. durch ein neues Ritual ersetzen möchten. Ich möchte Sie gern ermutigen, gerade in dieser Zeit Ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Den Weg, der Ihrem Gefühl entspricht und der für Sie jetzt gangbar ist. Im nächsten Jahr sieht es vielleicht schon ganz anders aus. Dann entscheiden Sie neu.

Erwartungen von Außen

Sind Sie konfrontiert mit Erwartungen aus Ihrem Umfeld? Nach dem Motto ‚Du kannst doch jetzt nicht Weihnachten ausfallen lassen!‘, wenn Sie beispielsweise darüber nachdenken, diesmal keinen Baum zu schmucken. Oder: ‚Den Kindern zuliebe musst du alles so machen wie immer‘, wenn Ihnen gar nicht nach Weihnachtsmarkt und Glühwein zumute ist. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, dass nur Sie die Expertin / der Experte Ihrer Trauer sind und daher auch nur Sie selbst, ggf. gemeinsam mit Ihrer Familie, entscheiden können, wie Sie Ihre Adventszeit und Ihr Weihnachtsfest in diesem Jahr gestalten mochten.

Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch! Manchen Menschen gibt es Sicherheit, alles genauso wie immer zu machen. In schmerzlicher, aber eben auch liebender Verbindung zum Verstorbenen. Rituale dienen dann als Anker auf stürmischer See.

Andere halten diesen Schmerz nicht aus und auch das ist erst einmal in Ordnung (solange Sie nicht dauerhaft vor dem Schmerz weglaufen […]). Betrachten Sie die Neusortierung Ihrer Rituale als eine Chance, sich selbst ein Stückchen näherzukommen. Vielleicht entdecken Sie dadurch ganz neue Möglichkeiten, eine für Sie stimmige Advents- und Weihnachtszeit zu gestalten. Das ‚Abschneiden alter Zöpfe‘ tut Ihnen dann gut und Sie finden einen anderen, sicheren Hafen.

Freud und Leid nah beieinander

Die Advents- und Weihnachtszeit zeigt auf besonders intensive Art, dass Freud und Leid im Leben zusammengehören. Dass Sie Ihre Trauer im Lebensrucksack tragen, in dem aber auch Ihre Lebensfreude steckt. Beides darf sein und beides wird sein, wenn Sie sich dafür öffnen. Mögliche Rituale, die diese Grundhaltung unterstutzen, können sein:

  • Das Bonhoeffer-Ritual: Schneiden Sie von Ihrem geschmückten Weihnachtsbaum einen Zweig ab und legen Sie ihn auf das Grab Ihres Verstorbenen.
  • Gestalten Sie Grablichter selbst (dafür gibt es viele schone Anleitungen im Internet) und bringen Sie sie an den Adventssonntagen zum Grab.
  • Backen Sie Plätzchen: vielleicht ein traditionelles Rezept, z. B. die Lieblingssorte Ihres Verstorbenen, und einige neue Rezepte. Laden Sie dazu Freunde ein, backen Sie gemeinsam und sprechen Sie dabei – auch – über den Verstorbenen.

Ganz bestimmt ist diese emotional aufwühlende Zeit anstrengend für Sie. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie gut für sich sorgen. Schaffen Sie sich in dieser ohnehin oft hektischen Zeit Oasen, in denen Sie Ihren Akku aufladen. Und schauen Sie auch da gut hin, was genau Ihnen guttun konnte. Das kann der Besuch in der Sauna eben so sein wie ein Bad in der Wanne oder die Verabredung mit einer guten Freundin. Setzen Sie sich dafür idealerweise feste Termine in Ihren Kalender!

Und für zwischendurch sind diese kleinen Mini-Entspannungsübungen geeignet:

  • Ausgiebig gähnen, räkeln und strecken
  • One-Minute-Meditation (nach Martin Boroson, siehe folgende Übung)
One-Minute-Meditation

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, an dem Sie aufrecht sitzen können; beide Füße stehen parallel, die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln. Stellen Sie sich die Eieruhr oder den Timer Ihres Handys auf eine Minute, in der Sie sich nur auf Ihren Atem konzentrieren. Sollten Ihre Gedanken woanders hinwandern, lassen Sie sie weiterziehen und kehren Sie wieder zu Ihrem Atem zurück.

Die Advents- und Weihnachtszeit gibt Ihnen auch die Möglichkeit, Ihrem Verstorbenen besonders nah zu sein. Entweder indem Sie Ihre bisherigen Rituale weiterhin pflegen oder indem Sie neue Rituale schaffen, die eine Verbindung zum Verstorbenen herstellen. Das ist schmerzlich und zugleich schon. Achten Sie dabei gut auf sich, auf Ihre Bedürfnisse und das, was Ihnen entspricht und guttut.

  • Welche Ihrer Advents- und Weihnachtsrituale mochten Sie fortführen und welche nicht?
  • Was möchten Sie gern neu ausprobieren?

Weitere Impulse und Ideen für die Adventszeit finden Sie im Podcast „Liebevoll trauern“ in den Folgen 10 bis 13 unter https://liebevoll-trauern.podigee.io/.“

Ein Auszug aus:

Christine Kempkes
Mit der Trauer leben lernen
Impulse für eine neue innere Balance

„Jede Trauer ist individuell für sich betrachtet immer besonders, immer traurig, immer eine Herausforderung, aber immer auch eine Chance zu persönlichem Wachstum und Weiterentwicklung.“

ISBN: 978-3-7495-0143-4 | 208 Seiten, kartoniert | Junfermann 2020

Über die Autorin:

Christine Kempkes ist Bestatterin, zertifizierte Coach und Trauerbegleiterin nach den Richtlinien des BVT, des Fachverbands für Trauerbegleitung. Sie engagiert sich als ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim ambulanten Hospiz Oberhausen. Die Themen Sterben, Tod und Trauer dorthin zu holen, wohin sie gehören – in die Mitte des Lebens –, ist ihr ein Herzensanliegen.

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