Wie lassen sich tiefgreifende Einsichten fördern, Veränderungsmotivation stärken und komplexe innere Prozesse begreifbar machen, ohne sich ausschließlich auf Sprache zu verlassen? Genau hier setzen Impacttechniken an. Sie nutzen die symbolische Kraft einfacher Gegenstände, um abstrakte psychologische Konzepte in konkrete, erlebbare Metaphern zu verwandeln. Das Ergebnis sind oft jene besonderen Momente, die Klient:innen mit einem spontanen „Aha, genau so ist es!“ beschreiben.
Impacttechniken gehören heute für viele Therapeut:innen, Berater:innen und Coaches zum festen Methodenrepertoire. Sie schaffen Zugänge zu Themen, die rein kognitiv häufig schwer zu erfassen sind, fördern Perspektivwechsel und helfen dabei, Veränderungsprozesse nachhaltig zu verankern.Â
Was sind Impacttechniken?
Die Wurzeln der Impacttechniken liegen im Impact-Ansatz von Ed Jacobs und Christine Schimmel. Im deutschsprachigen Raum wurden die Methoden insbesondere durch Dani Beaulieu bekannt gemacht. Die Psychologische Psychotherapeutin Frauke Niehues beschreibt Impacttechniken in Ihrer Kompetenz!Box „Impacttechniken“ (siehe Booklet, Junfermann 2022) als Verfahren, die die symbolische Kraft einfacher Objekte nutzen, um abstrakte Ideen und komplexe Schwierigkeiten in klare, konkrete und leicht verständliche Metaphern zu übersetzen.
Charakteristisch ist dabei das multisensorische Vorgehen: Klient:innen denken nicht nur über ein Thema nach, sondern erleben es. Gegenstände werden angefasst, bewegt, betrachtet oder in Interaktion eingesetzt. Dadurch entsteht häufig ein unmittelbares Verstehen, das über rein kognitive Einsichten hinausgeht.
Impacttechniken sind dabei keineswegs an eine bestimmte Therapierichtung gebunden. Vielmehr lassen sie sich mit unterschiedlichen Ansätzen kombinieren und in Therapie, Beratung, Coaching sowie pädagogischen Kontexten einsetzen.
Warum wirken Impacttechniken oft so nachhaltig?
In ihrem Kartenset verweist Frauke Niehues darauf, dass Impacttechniken abstrakte Konzepte konkret erfahrbar machen. Sie greifen dabei mehrere Wirkmechanismen auf.
Zum einen aktivieren sie verschiedene Sinne gleichzeitig. Dadurch wird die Aufmerksamkeit erhöht und Inhalte können leichter erinnert werden. Zum anderen arbeiten sie mit Metaphern. Metaphern aktivieren umfassende innere Netzwerke aus Erfahrungen, Emotionen, Bedeutungen und Handlungsimpulsen. Sie schaffen Verbindungen zwischen komplexen inneren Prozessen und alltäglichen Erfahrungen.
Genau darin liegt ihre Stärke: Statt ausschließlich über ein Problem zu sprechen, wird das Problem sichtbar, greifbar und erlebbar.
Impacttechniken eignen sich laut Niehues für unterschiedliche Klient:innengruppen und Altersstufen. Sie können dabei helfen,
- Veränderungsmotivation zu fördern,
- Perspektivwechsel anzustoßen,
- emotionale Prozesse zugänglich zu machen,
- Ressourcen sichtbar zu machen,
- komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen,
- Selbstwirksamkeit und Verständnis zu stärken.
Im Zentrum steht stets die Frage: Wie kann ein komplexes psychologisches Thema so dargestellt werden, dass es für Klient:innen unmittelbar nachvollziehbar wird?
Die richtige Brille: Sichtweisen bewusst machen und verändern
Eine besonders anschauliche Impacttechnik aus dem Kartenset von Frauke Niehues trägt den Titel „Die richtige Brille“. Die Methode basiert auf einer einfachen Beobachtung: Nicht jede Brille eignet sich für jede Situation. Wer in einem dunklen Raum eine Sonnenbrille trägt oder mit einer Schwimmbrille durch den Alltag gehen möchte, wird sich nur eingeschränkt orientieren können. – Genau diese Erfahrung macht die Technik nutzbar.
Demo
Beim Umsetzen der Technik werden unterschiedliche Brillen eingesetzt, beispielsweise Sonnenbrillen, Lesebrillen, Schwimmbrillen oder „Rosa-Brillen“. Klient:innen probieren bewusst eine Brille aus, die für die aktuelle Situation ungeeignet ist, und reflektieren anschließend, wie gut sie ihre Umgebung wahrnehmen können und wie sie sich damit fühlen.
Die zentrale Metapher wird schnell deutlich: Auch psychologische Sichtweisen, Bewertungen und Haltungen funktionieren wie Brillen.
Menschen betrachten die Welt nie neutral. Wahrnehmung wird von Erfahrungen, Überzeugungen, Erwartungen und Aufmerksamkeitsfokussierungen geprägt. Manche „Brillen“ können in bestimmten Situationen hilfreich sein, andere erschweren Orientierung, Handlungsmöglichkeiten oder Wohlbefinden.
Transfer
Im weiteren Verlauf der Technik werden Fragen bearbeitet wie:
- Welche „Brille“ tragen Sie normalerweise?
- Wie interpretieren Sie Situationen?
- Worauf richten Sie Ihre Aufmerksamkeit?
- Welche Folgen hat diese Sichtweise?
- Welche anderen „Brillen“ stehen Ihnen zur Verfügung?
- Welche Sichtweise wäre in der aktuellen Situation hilfreicher?
Gerade in Therapie, Beratung und Coaching eröffnet diese Metapher einen wertvollen Zugang zu kognitiven Mustern. Klient:innen erleben, dass Wahrnehmungen nicht zwangsläufig die Realität abbilden, sondern eine bestimmte Perspektive darstellen. Dadurch entsteht häufig mehr Flexibilität im Denken und Handeln.
Das Sicherheitstuch: Halt in emotional herausfordernden Prozessen
Eine zweite, einfach umsetzbare Methode aus dem Kartenset ist das „Sicherheitstuch“. Die Technik ist insbesondere für Situationen geeignet, in denen belastende Emotionen, schwierige Erinnerungen oder traumatische Erfahrungen bearbeitet werden. In solchen Prozessen spielt das Erleben von Sicherheit und Verbundenheit eine zentrale Rolle.
Demo
Vor Beginn der Arbeit erhält der Klient ein Ende eines Tuches, Schals oder alternativ eines Seils. Das andere Ende hält die beratende oder therapeutische Person. Der Klient entscheidet dabei selbst, wie intensiv er den Kontakt wahrnehmen möchte: Das Tuch kann locker gehalten oder fest um die Hand gewickelt werden.
Während der Bearbeitung belastender Inhalte bleibt die Verbindung bestehen.
Die Symbolik ist einfach und zugleich wirkungsvoll: Der Klient erlebt körperlich spürbar, dass er mit den schwierigen Erfahrungen nicht allein ist.
Darüber hinaus kann das Tuch auch als Kommunikationsinstrument genutzt werden. Die Spannung im Tuch kann Hinweise geben auf Belastung, aufkommende Überforderung oder das Bedürfnis nach Unterstützung. Klient:innen können auf diese Weise Signale geben, ohne ihre Aufmerksamkeit vollständig vom inneren Erleben abziehen zu müssen.
Transfer
Die anschließende Reflexion ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen wie:
- Was hat die aktuelle Belastung ausgelöst?
- Welche Warnsignale gingen kritischen Zuständen voraus?
- Was hilft dabei, Anspannung zu reduzieren?
- Was tut im Moment gut?
Die Stärke dieser Technik liegt in ihrer Einfachheit. Ein alltäglicher Gegenstand wird zur konkreten Erfahrung von Halt, Sicherheit und Beziehung. Genau dieser symbolische Gehalt macht die Methode so eindrücklich.
Kleine Gegenstände, großer Impact
Impacttechniken machen deutlich, dass wir komplexe psychologische Prozesse häufig besser verstehen, wenn wir sie nicht nur besprechen, sondern erleben.
Ob mit einer Brille, die unterschiedliche Sichtweisen symbolisiert, oder mit einem Tuch, das Halt in schwierigen Momenten vermittelt: Die eingesetzten Materialien sind oft denkbar einfach. Ihre Wirkung entsteht nicht durch ihren materiellen Wert, sondern durch die Bedeutung, die sie im therapeutischen Prozess erhalten.
Für Fachpersonen in Therapie, Beratung, Coaching und Sozialer Arbeit bieten Impacttechniken deshalb eine wertvolle Möglichkeit, Veränderungsprozesse lebendig, verständlich und nachhaltig zu gestalten.
Webinar-Empfehlung
Wer tiefer in die Arbeit mit diesen Methoden eintauchen und zahlreiche weitere Techniken kennenlernen möchte, erhält im Webinar von Dipl.-Psych. Frauke Niehues praxisnahe Einblicke in Anwendung, Wirkweise und Einsatzmöglichkeiten von Impacttechniken in Therapie, Beratung und Coaching. Die erfahrene Psychotherapeutin und Ausbilderin zeigt dabei, wie aus einfachen Gegenständen wirksame Interventionen werden können, die Klient:innen nachhaltig in Bewegung bringen.
Impacttechniken in Therapie, Beratung und Coaching – Grundlagen, Struktur & Anwendung
Buchtipp & Quelle dieses Beitrags
Frauke Niehues: Impacttechniken – Kompetenz!Box Therapie und Beratung. Herausgegeben von Frauke Niehues und Ghita Benaguid.
- 105 Techniken zur Lösung häufiger Herausforderungen im Veränderungsprozess sowie zahlreicher konkreter Themen wie Selbstwert, Emotionsregulation, Selbstmanagement u.v.m.
- Eine digitale Version der Karten und multimediale Zusatzmaterialien wie Videos, Audios und Handouts unterstützen den wirkungsvollen Einsatz im Präsenz- und Onlinesetting.
Foto: glassesshop, Unsplash | Beitrag: Erstellt mit Unterstützung von KI und redaktionell geprüft.
.



