erson blickt mit einem Auge durch einen schmalen Türspalt in einem hellen Innenraum.

Selbstwert und Emotionen – wozu Scham, Neid und Verachtung hilfreich sind

Ein gesunder oder stabiler Selbstwert ist eine der zentralen Säulen für emotionales Wohlbefinden und psychische Gesundheit. Menschen mit einem balancierten Selbstwert gelten als emotional belastbarer, sind weniger anfällig für depressive Verstimmungen und erleben ihr eigenes Leben insgesamt als sinnvoller.

Wenn unangenehme Gefühle wertvolle Hinweise geben

Sich selbst als weniger wertvoll zu empfinden als andere Menschen, fühlt sich zunächst nicht gut an. Daher versuchen viele Menschen Emotionen wie Scham, Neid oder Verachtung möglichst zu vermeiden. Sie werden als negativ bewertet oder gelten sogar als Zeichen persönlicher Schwäche.

Richtig verstanden können diese Emotionen jedoch eine wichtige Rolle für die Entwicklung eines kraftvollen und stabilen Selbstwertes darstellen. Anstatt sie abzulehnen oder zu unterdrücken, kann es hilfreich sein, unangenehme Emotionen und Zustände anzunehmen und als wichtige Ratgeber zu betrachten.

Die Emotion Scham als Hinweisgeber auf für uns wichtige Werte

Scham gehört zu den sogenannten sozialen Emotionen, denn sie setzt eine kulturelle Prägung voraus und benötigt für ihre Entstehung die Anwesenheit anderer Personen. Säßen wir alleine auf einer einsamen Insel oder wären wir Teil eines indigenen Volkes, wäre es uns vermutlich weniger peinlich nackt herumzulaufen, als auf der Einkaufsstrasse der nächsten Großstadt.

Scham sorgt dafür, dass wir unsere Identität sowie die damit verbundenen Werte und Ziele reflektieren und hinterfragen. Als auf sich selbst bezogene Emotion führt Scham dazu, dass wir uns – unabhängig von unserem aktuellen Handeln – als wertlos erachten, auch wenn andere Personen gerade nicht anwesend sind. Dies erklärt, warum Scham depressive Verstimmungen fördert und nicht selten mit suizidalen Denkmustern korreliert.

Schämen wir uns, ist uns etwas unangenehm, genieren wir uns oder sind unangenehm berührt. „Das ist mir peinlich“ ist der zentrale Leitsatz der Emotion Scham. Ein Fehler, Kritik oder eine Unwissenheit führen dazu, dass wir uns weniger wertvoll für die Gruppe oder als nicht mehr zugehörig empfinden.

Für einen gesunden Umgang mit Scham kann die Bewusstmachung der eigenen Stärken, Maßstäbe und die Annahme der Entwicklungsfelder hilfreich sein. Eine gesunde Selbstakzeptanz mit der Überzeugung „Auch ich bin nur ein Mensch“ als balancierender Glaubenssatz setzt innere und äußere Ansprüche in ein neues Verhältnis.

Die Emotion Neid als Hinweisgeber auf für uns wichtige Wünsche

Im Gegensatz zu Missgunst bedeutet Neid nicht, dass wir anderen das Erreichte oder Gewonnene nicht gönnen, sondern dass wir diese Errungenschaften auch gerne hätten. Wenn wir neidisch sind, zeigt uns diese Emotion, was wir uns aus tiefstem Herzen wünschen.

Anstatt Neid abzulehnen oder zu unterdrücken, können Fragen wie „Was fehlt mir gerade in meinem Leben?“ oder Was kann ich tun, um diese Ziele zu erreichen?“ dabei helfen, sich über die eigenen Bedürfnisse oder Ziele klarer zu werden und sich selbst zu motivieren, die nächsten Schritte hierzu einzuleiten.

Anstatt den Fokus auf den subjektiv empfundenen Mangel in Bezug auf die eigene Person zu richten, kann auch die Emotion Dankbarkeit dienlich sein, denn sie lenkt unseren Fokus auf das, was wir bereits erreicht und erhalten haben und vermittelt uns damit ein Gefühl der Fülle. Dankbarkeit fördert darüber hinaus prosoziales Verhalten, da wir eher bereit sind, Geben und Nehmen im Gleichgewicht zu halten.

Die Emotion Verachtung als Wächter

Als Wächter des Selbstwerts führt Verachtung dazu, dass wir andere Menschen auf der vertikalen Ebene aktiv in einen Tiefstatus bringen, um selbst einen Hochstatus zu erreichen. Was wir an anderen ablehnen oder an welchen Stellen wir uns deutlich abgrenzen wollen, gibt hier einen nützlichen Hinweis auf unsere persönlichen Wertesysteme.

Verachten wir Menschen, verlieren wir allerdings auch den Respekt und damit die Verbindung zu ihnen. Verachtung gilt daher nicht umsonst als einer der größten Beziehungskiller in Partnerschaften. Zu reflektieren, was genau wir strikt ablehnen, kann uns dabei helfen, uns mit einer klaren und  wertschätzenden Kommunikation wieder anzunähern.

Um den eigenen Selbstwert unabhängig von unserer Umwelt und anderen Menschen zu aktivieren, kann die Emotion authentischer Stolz dabei helfen, sich die eigenen Erfolge und Wertesysteme bewusst zu machen. Die Frage „Was habe ich heute durch mein eigenes Handeln erreicht, auf das ich stolz bin?“ richtet den inneren Scheinwerfer auf uns selbst und unsere eigenen Werte und nicht auf andere.

Emotionen verstehen und annehmen

Unangenehme Emotionen wie Scham, Neid und Verachtung nicht abzulehnen, sondern als Hinweise anzunehmen, kann dabei helfen, sich selbst und die persönlichen Wünsche, Ziele und Werte besser zu verstehen.

Die gesamte Bandbreite aller Emotion zuzulassen und gleichzeitig unsere Energie darauf zu richten, was uns wirklich wichtig ist, sorgt dafür, dass wir uns Schritt für Schritt unserem idealen Ich annähern und den persönlichen Selbstwert stabilisieren – unabhängig von inneren und äußeren Umständen.

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