Halb geöffnete, türkisfarbene Holztür mit Türgriff, durch den Spalt ist ein unscharfer grüner Außenbereich zu sehen.

Selbstwert und Glaubenssätze – Wie sie den eigenen Wert blockieren oder fördern können

Ein Beitrag von Bettina Tittel. 

Im Kontext von Coaching und Therapie ist er ein häufiger Begleiter: der persönliche Selbstwert. Aufbauend auf ein gut trainiertes Selbstbewusstsein – also die Fähigkeit, sich der inneren Prozesse wie Gedanken, Emotionen, Motivationen oder der eigenen Kompetenzen bewusst zu sein – bestimmt er den subjektiven Wert, den wir in bestimmten Situationen oder sozialen Beziehungen empfinden und damit, wie wir uns fühlen und welche Dinge wir uns zutrauen oder auch nicht.

Innere Überzeugungen, die Selbstwert formen

Glaubenssätze können uns bei dieser subjektiven Bewertung befähigen oder auch blockieren. Als Glaubenssätze bezeichnet man Überzeugungen und innere Dialoge, die zusätzlich zu unseren Gedanken eine emotionale Resonanz auslösen und entweder fördernd und motivierend oder frustrierend bzw. resignierend wirken.

„Aus Fehlern wird man klug“ ist ein typischer, befähigender Glaubenssatz, der unser sogenanntes Growth Mindset begünstigt. Die Haltung, aus Fehlern lernen zu können und sie als Chance für persönliches Wachstum zu verstehen, hilft uns nach Fehlern, nicht gleich den Kopf in den Sand zu stecken und an uns selbst zu zweifeln, sondern eher zu analysieren, wie wir an den Erfahrungen reifen können.

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ hingegen ist ein blockierender Glaubenssatz, der uns eher Hilflosigkeit oder Scham empfinden lässt und uns davon abhalten kann, neue Dinge auszuprobieren oder den nächsten Schritt zu tun. Die Überzeugung, zukünftige Aufgaben mit den aktuellen Fähigkeiten und Erfahrungen nicht bewältigen zu können, mindert unser persönliches Gefühl, einen wertvollen Beitrag für uns und unsere Gesellschaft leisten zu können.

Glaubenssätze und psychologische Grundbedürfnisse

Schon Abraham Maslow und Klaus Grawe definierten die Bedürfnisse Ziele zu erreichen, Anerkennung und Respekt von anderen zu erfahren sowie den Wunsch, das eigene Selbstwertgefühl zu schützen und zu steigern, als zentrale Aspekte für Wohlbefinden und Gesundheit.

Diese psychologischen Grundbedürfnisse können durch hinderliche Grundüberzeugungen eingeschränkt werden, die wir meist von unseren Eltern oder anderen Personen aus unserem engeren Umfeld wie weiteren Familienmitgliedern, Freunden oder Lehrern übernehmen.

Typisch für hinderliche Glaubenssätze im Kontext des Selbstwerts ist, dass sie ein Spannungsfeld in sozialen Beziehungen erzeugen. Denn auf der sozialen Achse stehen sich die Grundbedürfnisse Bindung, Zugehörigkeit und Nähe sowie die Bedürfnisse Autonomie, Durchsetzung und Status gegenüber, was zu inneren Ambivalenzen führen kann.

Typische blockierende Glaubenssätze im Kontext von Selbstwert

„Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich muss perfekt sein“ gehören zu den häufigsten Kernüberzeugungen, die sich ungünstig auf den persönlichen Selbstwert auswirken. Sie befeuern unseren inneren Kritiker, der uns permanent daran erinnert, uns mit anderen zu vergleichen, noch härter an uns zu arbeiten oder noch mehr Leistung zu erbringen. Mit diesem Glaubenssatz sind dauerhafte Unzufriedenheit und Frust vorprogrammiert.

Die Aussage „Ich bin anders als die anderen“ kann ein wichtiger Hinweis auf ein mangelndes Gefühl von Zugehörigkeit sein. Das Gefühl ein Außenseiter bzw. nicht Teil einer Gruppe zu sein, löst in uns Menschen das Gefühl von Einsamkeit und Trauer oder die Angst vor Ablehnung aus, denn wir Menschen haben ein tief in uns verwurzeltes Bedürfnis nach anderen Menschen.

Die Sätze „Da schaffe ich nie“ oder „Ständig mache ich alles falsch“ schwächen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und blockieren damit das persönliche Bedürfnis nach Wachstum und Leistung. Die Überzeugung, den eigenen Erwartungen oder den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden, kann zu Unsicherheit oder sogar zu der Idee führen, besser gar nicht erst anzufangen.

Glaubenssätze zu förderlichen Ressourcen transformieren

Blockierende Glaubenssätze für sich selbst so umzuformulieren, dass sie Kraft geben und motivieren, ist eine zentrale Aufgabe der Persönlichkeitsentwicklung in Coaching und der Psychotherapie. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, die Sätze so zu formulieren, dass sie zum aktuellen Entwicklungsstand passen und zu 100% glaubwürdig erscheinen.

Sind neue Glaubenssätze inkongruent zum eigenen Empfinden, wirken sie wie ein Gummiband, das uns immer wieder zurückzieht. Wird die Transformation dadurch blockiert, können wir unsere Bemühungen als Scheitern empfinden und der ursprünglich Glaubenssatz wirkt sogar kontraproduktiv.

Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern, Kritik oder sogar Scheitern kann ein Satz wie der folgende sein: „Ich habe es so gut gemacht, wie ich konnte im Rahmen meiner Möglichkeiten, die mir in diesem Moment zur Verfügung standen“. In manchen Situationen haben wir einfach nicht ausreichend Talent, Wissen, Erfahrung oder sind nicht in der besten Verfassung, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Dies anzunehmen und die eigenen Bemühungen anzuerkennen, kann ein erster Schritt sein, den eigenen Selbstwert unabhängig von äußeren Bewertungen zu gestalten.

Unabhängig von konkreten Situationen und sozialen Beziehungen kann der Satz „Auch ich bin nur ein Mensch und ich bin okay so wie ich bin mit allen meinen Licht- und Schattenseiten“ den inneren Kritiker besänftigen und dabei helfen, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist.

Selbstwert und der innere Kritiker

Um den persönlichen Selbstwert eigenverantwortlich zu stabilisieren, innere Zweifel zu besänftigen und sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, kann eine Formulierung wie Ab heute bin ich mir selbst mein bester Freund / meine beste Freundin und nicht mein größter Kritiker“ einen wichtigen Beitrag leisten.

Sich im Coaching und in der Therapie dem Thema Glaubenssätze zu widmen, kann mit kleinen Schritten große Veränderungen bewirken und ein Booster für Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit und damit einem stabileren und gesünderen Selbstwert sein.

Vertiefung im Webinar: Selbstwert stärken

Ein stabiles Selbstwertgefühl ist kein Zufall – es lässt sich verstehen und gezielt stärken. Im Webinar mit Heilpraktikerin und Emotionscoach Bettina Tittel erfahren Sie, was Selbstwert bedeutet, welche emotionalen und gedanklichen Prozesse ihn beeinflussen und wie innere Sicherheit sowie Selbstwirksamkeit wachsen können.

Neben fundierten psychologischen Grundlagen stehen praxisnahe Impulse für Ihre Persönlichkeitsentwicklung im Fokus: hilfreiche Haltungen, alltagstaugliche Übungen und konkrete Ansätze, um blockierende Glaubenssätze nachhaltig zu verändern.

Ein Webinar für alle, die ihr Selbstwertgefühl vertiefen und eine stabile innere Haltung entwickeln möchten.

Selbstwert stärken: Wege zu mehr innerer Stabilität und Selbstvertrauen

Das Live-Webinar mit Bettina Tittel am 05.05.2026, 17:30-19:00 Uhr
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  • den inneren Kritiker und seine Hintergründe besser zu verstehen,
  • eine gesunde Distanz zu ihm aufzubauen,
  • durch Achtsamkeit Ruhe und Regeneration zu erfahren sowie
  • ein hilfreiches Mindset aufzubauen, das vor zu starker Selbstkritik schützt.

Von Boris Pigorsch. Erschienen in der Kompetenz!Box-Reihe Persönlichkeitsentwicklung, herausgegeben von Frauke Niehues und Ghita Benaguid (2023, Junfermann).

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