Beratung und Coaching beim Gehen ist ein beliebter Ansatz, bei dem die Natur als erweiterter Praxisraum dient. Die Bewegung an frischer Luft bringt oft auch Bewegung in stockende mentale und emotionale Prozesse. Doch nicht nur Klient:innen profitieren von der Beratung in Wald und Flur – auch für Therapeut:innen und Coaches kann sie ein echter Gewinn sein. Lassen Sie sich inspirieren, auch Ihre Beratungsarbeit auf diese bewegte und bewegende Weise anzubieten.
Was ist Beratung in Bewegung?
Eine Beratung oder ein Coaching in Bewegung ist ein zielgerichteter Spaziergang, der vorzugsweise in einer natürlichen Umgebung durchgeführt wird. So wird die Natur zu einem erweiterten Praxisraum, der ein angenehmer und effektiver Rahmen für tiefe Gespräche, Erkenntnisse und Problemlösungen sein kann.
Die körperliche Bewegung und die besondere Stimulation der Sinne durch die natürliche Umgebung verbessern die emotionale Verfassung von Klient:innen und fördern die Beziehung zu sich selbst.
Beratung in Bewegung beeinflusst aber auch die Beziehung zwischen Berater:in und Klient:in, die durch den Rhythmus des gemeinsamen Gehens in gleicher Blickrichtung in besonderer Weise miteinander verbunden sind. Im Gespräch schwingen sich beide Gesprächspartner:innen dadurch nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der gedanklichen und emotionalen Ebene ein – was eine gute Basis für eine erfolgreiche Coaching- oder Therapiesitzung ist.
9 Vorteile von Beratung in Bewegung

Im Gehen wird Schweres leichter
Bewegung ist immer eine befreiende Erfahrung, denn sie bringt stagnierende körperliche, mentale und emotionale Energien wieder ins Fließen. Es ist nur eine Vermutung … aber könnten wir ein und dasselbe Gespräch einmal im Sitzen und einmal im Gehen führen, würden wir sicherlich feststellen, dass die Unterhaltung im Gehen von mehr Leichtigkeit geprägt war.

Bewegung baut Stresshormone ab
Bewegung ist ein äußerst effektives Mittel, um Stress zu reduzieren. Körperliche Aktivität baut überschüssiges Cortisol und Adrenalin ab und senkt dadurch den Muskeltonus, was den Körper in einen entspannten Zustand versetzt.

Mehr Glückshormone durch Bewegung
Bewegung stimuliert die Produktion von Endorphinen, Dopamin und Serotonin. Diese hormonellen Glücklichmacher sorgen für gute Laune, Entspannung und Zuversicht – eine gute Basis für eine erfolgreiche Coaching-Sitzung oder Therapiestunde.

Distanz zum Alltag
Unterwegssein im Wald schafft eine wohltuende räumliche und gedankliche Distanz zu dem, was im Alltag drückt und belastet. Natur hat eine entspannende körperliche und psychische Wirkung.

Wachheit und Aufnahmefähigkeit
Anders als in geschlossenen Räumen unterstützt die Bewegung während der Sitzung wach, präsent und aufnahmefähig zu bleiben.

Abbau von Hierarchie
In einem geschlossenen Raum, der ja oft auch der Raum des oder der Beratenden ist, kann es leicht zu einem Coach-Klient-Gefälle kommen: Manche Klient:innen haben das Gefühl, Ihrem beratenden Gegenüber in dessen vier Wänden „ausgeliefert“ zu sein.
Beim Gehen wird das vermieden, denn die Gesprächspartner:innen gehen nebeneinander – und oft gleichen sie sogar intuitiv den Rhythmus ihrer Schritte an. Symbolisch blicken beide Partner:innen nach vorne und schreiten gemeinsam in die gleiche Richtung. Das kann den Klient:innen das Gefühl vermitteln, nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich gemeinsam unterwegs zu sein.

Einflussnahme aufs Tempo
Auch in diesem Punkt steckt eine gewisse Symbolik. Das Tempo des Vorwärtsschreitens wird nicht vom Coach oder von der Therapeutin vorgegeben. Vielmehr können auch die Klient:innen Einfluss darauf nehmen, wann sie schneller und wann sie langsamer gehen möchten. – Oder wann sie stehenbleiben wollen. Dadurch wird das Gehen zu einem wertvollen (Körper-)Gefühl von Autonomie, das wiederum das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärkt.

Kein fixierter Blickkontakt
In einem räumlichen Beratungssetting weilt der Blick meistens im Gesicht des Gegenübers. (Das gilt für die Coach oder den Therapeutien genauso, wie für die Klient:innen). Diese Blickfixierung fühlt sich sowohl für Klient:innen als auch für Beratende manchmal unangenehm an. Bei der gehenden Beratung hingegen taucht diese Beklemmung nicht auf, weil beide geradeaus blicken. Den anderen zeitweilig anzuschauen, wird so zu einer bewussten situationsangepassten Handlung.

Schweigen wird von einer unangenehmen Situation zu einer wichtigen Ressource
Schweigen ist in der Kommunikation von besonderem Wert. Für ein beraterisches oder therapeutisches Setting gilt das noch einmal mehr. Leider werden Momente des Schweigens in Beratungsräumen (mindestens von Klient:innen) oft als unangenehm erlebt. Schweigen während des Gehens hingegen wird als deutlich weniger belastend empfunden.
Bewegung fördert Kreativität
Wer sich in eine Beratungssituation begibt, steckt oft fest. In einem Projekt, in einer Situation, einer zwischenmenschlichen Krise – oder in eigenen Gedanken und Gefühlen. Unter dem inneren Druck nimmt die Kreativität zur Problemlösung ab: Das Denken wird eng und kreist fortlaufend um die gleichen Inhalte.
Hier kann das Gehen wertvolle Dienste leisten, denn wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es die Kreativität fördert. Offenbar denken wir beim Gehen anders als beim Sitzen. Beim Sitzen befinden wir uns in einem „Arbeits-Mindset“.
Denken in Bewegung funktioniert anders als Denken im Sitzen
Ohne dieses Arbeits-Mindset könnten wir uns nicht strukturieren, nicht fokussieren, nicht kontrollieren und wir könnten unsere Termine nicht einhalten. Vermutlich greifen wir in diesem Modus verstärkt auf die linke Hirnhemisphäre zu, die vorwiegend dem logischen, rationalen Denken zugeordnet ist. Alle Gedanken, die nicht förderlich für diese disziplinierte Denkweise sind, kommen uns gar nicht erst in den Sinn. Wir befinden uns im klassischen „Thinking inside the box“.
Auf kreative, unkonventionell und innovative Gedanken kommen wir erst, wenn wir uns entspannen und dadurch unserer rechter Hirnhemisphäre die Chance geben, auch mal zu Wort zu kommen. Dieser Bereich wird nämlich mit Intuition und Kreativität in Verbindung gebracht.
Ein weiterer Grund, der für die Beratung in Bewegung spricht: Sport und Spaß
Für manche Menschen spielt auch ein gewisser Spaßfaktor eine Rolle, wenn sie sich für ein Coaching oder eine Beratung in Bewegung und in „freier Wildbahn“ entscheiden. Vor allem Männer, die sich oft schwer damit tun, Unterstützung in Anspruch nehmen, greifen wegen des sportlichen Aspekts dieser besonderen Beratungsform gerne auf das Walk and Talk zurück.
Sitzen birgt Gesundheitsrisiken
Gehen ist gesund. War man eine flotte Runde zu Fuß unterwegs, fühlt man sich anschließend erfrischt und gestärkt. Jeder weiß das – und dennoch gehen wir immer weniger und sitzen dafür umso länger.
Bis ins 19. Jahrhundert legten Männer täglich durchschnittlich 18 Kilometer zu Fuß zurück; bei den Frauen waren es ungefähr 9 Kilometer. Ende der 1980er Jahren sank die durchschnittliche Gehstrecke auf nur 1,5 Kilometer. Mittlerweise sind es nur noch wenige hundert Meter am Tag.
Unsere menschliche Spezies ist evolutionär bedingt jedoch nicht fürs Sitzen, sondern fürs Gehen optimiert. Wissenschaftler sprechen deshalb von einem „Sick of sitting“, also davon, dass Sitzen krank macht.
Die Zeit, die in einem Beratung-in-Bewegung-Setting verbracht wird, kann also auf das Zeitkonto der täglichen Schrittmenge verbucht werden. Ein wertvoller Beitrag für die körperliche Gesundheit als angenehmer Zusatznutzen.
Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Beratung in Bewegung anbieten möchten
Mit der Entscheidung, Beratungsangebote nach draußen zu verlegen, betreten Sie ggf. unbekanntes Land. Ein ganz persönlicher Stil für Ihre Beratungen in Bewegung lässt sich jedoch leicht entwickeln.
Anregungen dazu erhalten Sie im Live-Webinar „Beratung in Bewegung – Therapie und Coaching in der Natur“ mit Eva Istas am Freitag, den 11.04.2025 von 10:00 bis 11:30 Uhr:

- Wissenschaftliche Einblicke, die die förderliche Wirkung von Natur und Bewegung belegen.
- Praktische Übungen, die direkt ausprobiert und in die eigene Arbeit integriert werden können.
- Konkrete Impulse zur Umsetzung: Erfahren Sie, wie Beratung in Bewegung einfach und sicher umgesetzt werden kann.
Buchtipp
„Beratung in Bewegung – Praxisbuch für Coaching und Therapie in der Natur“ von Johann-Friedrich Weber und Eva Istas.
- Potenzial von Bewegung und Natur nutzen
- Beratung abseits der bekannten Pfade
- Kompetenz zur Problemlösung wird gesteigert
- Konkrete Anregungen für Coaching-Exkursionen